Das Taunusheim Interview

Es ist schön, dass es nun endlich geklappt hat, die erste Taunusheim CD zu veröffentlichen. Die Band ist ja nun doch schon einige Jahre dabei und durfte in der Vergangenheit einige Erfahrungen sammeln und hat auch viel erlebt.

Ich sprach mit Erik und Ilona über die letzten Jahre und über die Geburt „Nebelkämpfe“.

Klasse, dass Ihr es nach einigen Problemen geschafft habt, „Nebelkämpfe“ zu verwirklichen. Woran lag es nun im einzelnen, dass die Veröffentlichung erst im Jahre 2005 umgesetzt wurde ?

Erik: Nun wir haben ja nach dem letzten Demo "Ilmarsj" einige Jahre pausiert, da wir nunmal alle neben der Musik einigen Verpflichtungen nachgehen mussten. Als es uns dann wieder in den Fingern juckte, konnten wir vom Glück reden, dass wir, bzw. Ilona uns fand. Was allerdings nichts an dem seit Jahren anhaltenden Schlagzeug-Problem änderte. Wir mussten also zu dritt beginnen Songs zu komponieren und stießen erst später auf Martin, der sich als Gastmusiker anbot und die Drums für "Nebelkämpfe" einspielte und sich schnell und nahtlos in den Proben einbrachte. Wir begannen also fast bei Null, dadurch das nun das vorhandene Schlagzeug neue Ideen brachte und teilweise die Songstrukturen umkrempelte. Die Treffen für die Aufnahmen erwiesen sich auch häufig für recht schwierig, da immer mal jemand nicht konnte und unser Mann für die Aufnahmen parallel zu uns ein weiteren Arbeitgeber befriedigen musste.

Es ist für mich natürlich einfach gesagt, aber siehst Du auch, dass Taunusheim dem Stil treu geblieben ist ?

Erik: Definitiv. Ich denke, dass uns die ersten drei Demos schon gezeigt haben, einen Stil zu bestimmen, welcher sich in seinem Grundgerüst nicht groß verändern wird. Das man mit zwei neuen und hervorragenden Musikern wie Ilona und Martin sich mehrere Schritte nach vorne bewegt war von Anfang an klar. Dazu kommen natürlich die weit aus professionelleren Aufnahmen hinzu.

Das is wahr. In der Vergangenheit gab es doch einige schlechte Reviews der Demo Tapes. Einige kritisierten immer wieder das Schlagzeug und auch das Keyboard. Bei „Nebelkämpfe“ ist einiges anders geworden. Es wurde zum ersten mal mit einem richtigen Schlagzeug gearbeitet, die Keyboards wurden von Ilona übernommen und sind auch nicht mehr so im Vordergrund. Wie weit haben da für Euch die Reviews eine Rolle gespielt.

Erik: Es ist ja nicht so, dass wir bei unseren ersten Demos das Problem des Schlagzeugs und der Aufnahmetechnik nicht selbst kritisierten. Demnach haben Reviews nichts mit der Weiterentwicklung von Taunusheim zu tun. Wir hätten auch damals schon gerne einiges anders gemacht. Das man sich bei einem neuen Album weiterentwickelt ist häufig selbstverständlich. Reviews sind für mich dann interessant, wenn sich ein Kritiker intensiv mit einem Album beschäftigt und seine Empfindungen nicht nur auf einen Teil eines Albums konzentriert, ob im positiven oder negativen Sinne.

Mit „Nebelkämpfe“ habt Ihr nun eine ordentliche Vorstellung auf CD gebracht. Was erhofft Ihr Euch nun damit. Wie geht es weiter ?

Erik: Unser erstes Ziel, Musik zu produzieren, welche unsere eigenen Erwartungen trifft haben wir erreicht. Der Bonus wäre natürlich eine moschende Menschenmenge, die sich in einem Metallschuppen auf Taunusheim den Nacken verrenken.

Ich denke das nächste Ziel wird sein, "Nebelkämpfe" mit einem noch besseren und vielleicht etwas längerem Album auf Fans unseres Geschmackes loszulassen. Aber wann das soweit sein könnte, ist natürlich noch nicht abzusehen.

Martin (Schlagzeug) hat für die CD wirklich klasse Arbeit geleistet. Wie wird das in der Zukunft laufen, da er ja nicht fest in der Band ist und theoretisch der Schlagzeuger Posten weiterhin frei ist.

Erik: Das bleibt abzuwarten. Weitere Vorhaben bezüglich des zukünftigen Werdegangs von Taunusheim sind noch nicht geplant. Wir können uns sicher sein, das Martin zu gerne beim nächsten Album erneut aushelfen möchte. Es hat zwischen uns vieren nunmal super funktioniert und ich sehe momentan keinen Grund, beim nächsten Album irgendetwas an der Bandbesetzungen zu verändern.

Kommen wir mal zu den Texten. Die Texte sind auch reifer geworden. Was beeinflusst Dich, um einen Song wie „Nebelkämpfe“ zu schreiben ?

Erik: Die Texte haben ebenfalls eine enorme Weiterentwicklung erlebt und fügen sich ähnlich, wie die beiden neuen Musiker, hervorragend in die Musik ein. Das Entstehen von Nebelkämpfe ist eigentlich recht eindeutig. Durch geschichtliches Interesse zum Einen und besonders durch den fast unveränderten Zustand in der heutigen Zeit.

Bisher liegen ein paar Reviews vor, hast Du auch manchmal das Gefühl, dass Ihr den Schreiberlingen da draußen es nicht sehr einfach macht ? Scheinbar ist die Taunusheim Musik so Eigenständig, dass nicht jeder gleich damit was anfangen kann. Gibst Du mir da Recht ?

Erik: Ich finde das eigentlich ziemlich gut, dass Leute nicht recht wissen, was wir da eigentlich für eine Musik machen, bzw. keine 100 % Vergleiche zu anderen Bands ziehen. Ich hätte zwar nicht gedacht, das es bei "Taunusheim" so schwierig wird uns in eine Schublade zu stecken, aber somit haben wir es doch geschafft etwas Eigenes zu machen. Wobei ich doch nochmal erwähnen möchte das der Pagan/Black-Metal doch sehr eindeutig herauszuhören ist. Schlecht ist natürlich, dass wir scheinbar dadurch auch von dem Einen oder Anderen Kritiker ziemlich in den Senkel gestellt werden.

Zur letzten Frage an Dich, da ich Ilona auch darüber ausgefragt habe. Was fällt Dir zu Deiner Bandkollegin ein ?

Erik: Ilona ist in erster Linie eine fantastische Person und ein absoluter Freak
zugleich. Sie könnte wahrscheinlich eine ganze Heerschar besoffener Wikinger
dazu verleiten nackt einen Tango auf einem Schlachtfeld zu tanzen um ihnen
danach den Arsch zu versohlen, da sie mit ihrem stumpfen Schritten die ganze
Wiese umgepflügt haben. Ilona gehört wohl zu den naturverbundensten Menschen
die ich kenne. Sie ist eine Diskussionssau und zum Glück bin ich fast immer
ihrer Meinung, sonst würde ich bei eventuellen Handgreiflichkeiten den
Kürzeren ziehen:-) Ich schätze ihre musikalischen Fähigkeiten, ihre
heidnische Denkensweise und das Feingefühl, wie sie es in ihren Texten und
Liedern auszudrücken weiß. Ilona bekommt von mir 11 von 10 Punkten, da sie
ein absolutes Unikat ist und wie bereits erwähnt, ein FREAK!

Ilona, bei Carved in Stone spielst Du alles alleine ein, kannst alleine über die Songstrukturen entscheiden und bist auch für die Texte selbst verantwortlich. Ist es für Dich schwer gewesen, mit den beiden Kerlen einen gemeinsamen Weg zu finden und auch Dich nicht so extrem in den Vordergrund zu stellen ??

Ilona: Nein, das Ganze war überhaupt kein Problem für mich. Ich vertrete die Meinung, daß das Keyboard im Bereich der metal-mäßigen Klänge eher ein Hintergrundinstrument sein sollte, gerade im Pagan Metal Bereich wirkt ein zu pompöses Keyboard eher destruktiv als stimmungsfördernd. Die Keyboard - Parts sollen auch eigentlich die Gitarrenarbeit nur stützen und sie nicht ersetzen, für andere Bands, die viel Wert auf düstere Atmosphäre legen, mag das okay sein, aber bei Taunusheim wären irgendwelche ausgefeilten Keyboard Soli ziemlich unpassend, zumal ja traditionelle Instrumente wie Flöten, Akustikgitarren oder Maultrommeln einen besonderen Stellenwert auf diesem Album geniessen und in der Rangordnung vor den Keyboards stehen sollten.

Was den Gesang betrifft, ist Erik der Haupttexter und kann die Stimmung der Lieder am besten nach außen tragen, und das ist auch gut so, denn ich schätze seine Arbeit sehr. Die Zusammenarbeit mit den Jungs ist im Übrigen genial, wir verstehen uns prima und es gibt keinerlei Konkurrenz. Kann daran liegen, daß wir alle aus dem Taunus kommen und uns alle mit der Thematik des Albums identifizieren können...:-)

Was bedeutet es für Dich, einen Song (Text) wie „Wundenschmiede“ im Gepäck zu haben ?

Ilona: Es tut mir gut, ganz ehrlich. Ich vertrete Songs wie "Wundenschmiede" und insbesondere den Titelsong "Nebelkämpfe" zu 100%. Gerade jetzt, nach dem Tod des Papstes, ist christliche Propaganda wieder allgegenwärtig und unsere Tageszeitung mutiert langsam aber sicher zum Wachturm, so daß ich jeden Morgen beim Lesen ausraste... Ich denke, es ist wichtig, die Leute durch solche Lieder daran zu erinnern, daß es etwas vor dem Christentum hier gab, etwas, das immer noch präsent ist, auch wenn es von den Medien und der Kirche totgeschwiegen wird. Sicher sind die Texte von Taunusheim auf ihre Weise aggressiv, doch sie sollen zeigen, daß der Geist unserer Vorfahren immer noch da ist, und daß es auch heute noch immer junge Menschen gibt, die nicht bereit sind, die Weisheit der Alten einfach zu vergessen. Ich kann diese Wut  in den Liedern von CIS nicht wirklich umsetzen, da die Musik einfach immer noch zu sanft ist. Bei Taunusheim allerdings können wir den Leuten diese Botschaft gnadenlos um die Ohren hauen.

Wie verliefen eigentlich die Aufnahmen zur CD ? War wieder viel Zuckerkram im Spiel ?

Ilona: Ähmm... das willst Du gar nicht wissen ;-)... Wir hatten ein riiiesiges Fresspaket voller Lebkuchen, Marzipankartoffeln, Schokolade, usw... ( Du mußt bedenken, es war Winter, da gab´s das Zeug in Mengen...) und das Plastikflaschen - Bier vom ALDI ist besser als sein Ruf! Aber das ist der normale Aufnahme - Wahnsinn, ohne Bier und Süßes geht´s nicht, zumindest nicht bei mir!

Ich weiß. :-) Du bist im Jahre 2000 zu Taunusheim dazu gestoßen. Eine Zeit wo noch ein paar Leute ein Problem mit Taunusheim hatten, aber es gab auch genug Leute, die mit Taunusheim was anfangen konnten. Wie war es für Dich in eine solche Band einzusteigen. Gab es Leute die schlecht redeten, hattest Du am Anfang Zweifel gehabt……?

Ilona: Das Ganze war eigentlich sehr lustig. Ich wartete in meiner Stammdisco auf Kumpels und mir war langweilig. Der Laden war noch ziemlich leer, und so quatschte ich den ersten Metaller an, den ich fand, und das war halt Patrick. Im Gespräch stellte sich dann heraus, daß er und Erik noch einen Keyboarder für ihre Band suchten, und da ich gerade bei meiner letzten Band ausgestiegen war, und das echt kein Zustand war, ließ ich mir ein Demo zukommen und entschied mich, bei Taunusheim einzusteigen. "Nebelkämpfe" ist die erste Taunusheim - Veröffentlichung, bei der ich mitwirke, ich hatte nie Zweifel an der Sache und habe diese Entscheidung bis heute nicht bereut, auch wenn Taunusheim eine Band zu sein scheint, an der sich die Geister tatsächlich extrem scheiden, ich mußte die Band bereits ein paar Mal heftig bei Leuten verteidigen. Aber jeder, der in einer Band spielt, sollte bedenken, daß Bands sich weiterentwickeln, reifer werden und Fortschritte machen, und man sollte so fair sein, diese Faktoren zu bedenken, wenn man sich ein Album anhört, sei es jetzt von Taunusheim oder sonstwem.

Was fällt Dir zu Deinen Bandkollegen ein, wenn Du sie kurz vorstellen müsstest ?

Ilona: HA! Das ist echt schwer... Zu Erik kann ich nur sagen, jeder, der "Luther the Geek " gesehen hat, hat einen groben Eindruck davon, wie er ist, wenn er richtig abgeht... Doch bei allem Humor muß ich auch sagen, daß er, was das religiöse Denken angeht, ein sehr nachdenklicher Mensch ist, der den alten Glauben wahrhaftig lebt, und für den das Ganze nie ein Trend war. Wer sich das Lied "Nebelkämpfe" in einem ruhigen Moment mal anhört, den Text mitliest und es auf sich wirken läßt, der wird erkennen, daß dort jemand wirklich aus dem innersten seines Herzens spricht.

Und Patrick... Patrick ist der ALLES Hassende ( nur Spass!!)! Patrick ist Perfektionist, nie mit sich zufrieden, aber immer eine coole Socke und außerdem weiß er mehr über die Kulturgeschichte unserer Gegend als irgendjemand sonst. Ich bin froh, auf ihn gestossen zu sein, denn er ist sowohl als Produzent als auch als Musikerkollege und Kumpel eine sehr angenehme Person, mit der man wirklich etwas auf die Beine stellen kann, weil er sich total reinhängt. In diesem Sinne kann ich nur sagen, daß ich mich bei Taunusheim wirklich wohl fühle.

Danke an Euch beiden und wer sich die neue CD immer noch nicht angehört/zugelegt hat, der sollte das schnell nachholen.